In unserem Leitbild schreiben wir, das Alten und Pflegeheim Promenade steht für familiäre Atmosphäre verbunden mit christlichen Werten, die von uns auch wertfrei gesehen werden. Egal welcher Religion oder Sichtweise, sorgen wir für ein würdiges Begleiten der letzten Phase des Lebens unserer Bewohner. Die Sterbebegleitung ist gerade bei schwerkranken und sterbenden Menschen einer unserer wichtigsten Aufgaben. Gemeinsam mit deren Angehörigen, Sterbende zu begleiten, das versetzt uns häufig an die Grenzen unserer Worte. Los zu lassen, Abschied zu nehmen und Trauer zu lernen. Darin sehen wir unsere Begleitung von Sterbenden und ihren Angehörigen als wichtigen Bestandteil aber auch ein Qualitätsmerkmal unserer Arbeit. Ziel dieses Konzepts soll ein Rahmen für ein menschenwürdiges Sterben sein. Dieser Rahmen soll verdeutlichen, welche anspruchsvolle Arbeit Tag für Tag und Nacht für Nacht in der Altenpflege geschieht. Der Umgang mit der Situation nach dem Tod eines Menschen ist geprägt von der persönlichen Auseinandersetzung der Hinterbliebenen mit dem Thema Tod und Trauer. Sehr viele Menschen haben heute in ihrem Leben noch keinen Toten gesehen. Der Umgang mit dem Tod, als Teil unseres Lebens, ist durch seine Realität für viele Menschen sehr bedrohlich und wird zumeist als eine erschütternde Ausnahme und Krisensituation erlebt. Selbst diejenigen, die sich schon länger mit dem Nahestehenden auseinandergesetzt haben, erleben in dem Moment des Todes oft unerwarteten Trennungsschmerz und eine gewisse Hilflosigkeit. Gerade in dieser Situation bedürfen sie der Unterstützung und der Begleitung unserer Erfahrung. Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass das Gestalten und das Erleben des Abschiedes vom gerade Verstorbenen einen prägenden Einfluss auf den Beginn bzw. die Fortsetzung der Trauerarbeit haben. Diese Trauerarbeit ist abhängig von der jeweils individuellen Biografie und Beziehungsgeschichte. Daher ist es wichtig, den Angehörigen und ihrer individuellen Trauerreaktion Raum und Zeit für ihre Gefühle und ihr Abschied nehmen zu geben. Die Zeit zwischen dem Realisieren des Todes und dem Nicht-wahr-haben-wollen ist nicht aufzulösen, sondern erfahrbar zu machen und auszuhalten. Angst und Ungewissheit über das, was nach seinem Tod mit seinem Körper geschieht oder aber auch nicht geschieht, macht den Sterbenden oft Sorgen und eine große Unsicherheit. Die Wünsche in Bezug auf Beerdigungsrituale oder Abläufen decken sich nicht immer mit den Bedürfnissen der Angehörigen. Daraus kann sich ein Spannungsfeld ergeben, womit der Sterbende einfach nicht umgehen, und somit auch nicht loslassen kann.

 

 

                            Ziele der Sterbebegleitung

                                                                                         

Zielen gerecht zu werden, bedarf es der guten Zusammenarbeit zwischen unseren Mitarbeitern, Ärzten, Seelsorger und Heimleitung. Ein Team zum Wohle des Bewohners. Professionelle Pflege allein ist nicht ausreichend, Schwerstkranke und Sterbende optimal zu begleiten. Hierzu bedarf es wesentlich mehr.

Nicht selten ist das Verhalten von Angehörigen und Mitarbeitern von Ohnmacht, aber auch von Routine und Gleichgültigkeit geprägt. Gerade im Prozess des Sterbens wird Abhängigkeit und Hilflosigkeit von Mitarbeitern und Angehörigen besonders intensiv erfahren. Ein großes Problem sind die fehlenden Gespräche,die häufig zum Rückzug der Mitarbeiter und zur Isolation des Sterbenden führen. Gerade in dieser Situation geht es um gelebte Solidarität zwischen Lebenden und Sterbenden.Mit unserem Konzept möchten wir den ganzen Prozess, vor undnach dem Sterben,für alle Beteiligten verbessern und über den Tod hinaus Hoffnung geben. Dadurch sollen Angehörige und Mitarbeiter gleichermaßen Trost erfahren.

 

Ein Bewohner stirbt

 

Die Persönlichkeit jedes einzelnen Menschen, der bei uns lebt, wird gerade im Sterbeprozess besonders deutlich. Jeder stirbt seinen „eigenen“ Tod, deshalb muss auch im Sterben jeder seinen eigenen Weg gehen dürfen. Nicht selten besteht eine Spannung zwischen aushalten und loslassen, zwischen dem Willen bis zuletzt zu leben und nicht vorschnell aufzugeben. Diese Spannung zuzulassen und dem Sterbenden in dieser Situation einfühlsam zu begegnen ist ein Merkmal unserer Arbeit.

Bewohner werden schonend und einfühlsam auf das Thema „Sterben“ angesprochen. In einem Gespräch mit Bewohnern und Angehörigen wird angesprochen, dass die Einrichtung auf Sterbesituationen vorbereitet ist und niemand in ein Krankenhaus abgeschoben wird. Hierzu gehört der im Anhang befindliche Fragebogen, der Bestandteil des Heimvertrages ist. Hier werden die religiösen Wünsche und der Wunsch der Bestattungsform erfragt und im Bedarfsfall umgesetzt. Wir streben „Sterben“ in Wärme und Geborgenheit an, möglichst ohne körperliche und seelische Schmerzen.

Im betreffenden Wohnbereich werden alle Mitarbeiter durch das Anbringen der „Weißen Rose“ darüber informiert, dass sich auf dieser Ebene ein Bewohner im Sterbeprozess befindet. Im Haus befindet sich ein sogenannter „Sterbebegleitungskoffer“. Dessen Inhalt ist: eine Kerze, ein Kreuz, eine Bibel, Musik sowie alle benötigten Dokumente. Der Sterbende bleibt in der gewohnten Umgebung seines Zimmers, er wird nicht in ein anderes Zimmer verlegt.Gegeben falls wird auf Wunsch der Mitbewohner in einem Zweibettzimmer derweilen in den Sondernutzungsraum verlegt.Auch er wird schonend auf die Situation vorbereitet.

 

 Trösten heißt…da zu sein

 

Der Schwerpunkt in dieser Situation soll sich auf die persönliche Bedürfnissen des Bewohners richten. Besondere Zuwendung, liebevolle Gespräche, streicheln, Hände halten, also eine verstärkte leibliche Zuwendung, besonders dann wenn der Bewohner sich nicht mehr verbal oder nonverbal äußern kann.

Die notwendige Pflege, insbesondere aber auch ausreichende Linderung der Schmerzen sollen uns ein Grundbedürfnis sein. Trösten heißt….da zu sein, also mit viel Gefühl, Ehrfurcht und Stille zu begleiten.

 

Ein Bewohner ist verstorben

 

Besonders würdevoll soll der Umgang mit dem Toten sein. Der Mitarbeiter nimmt sich Zeit für das Abschied nehmen vor dem Bett des Verstorbenen. Ist der Bewohner verstorben, sieht der Mitarbeiter nach den sicheren Todesmerkmalen und benachrichtigt den Arzt. PDL und Heimleitung sind sofort zu informieren. Die anschließende Versorgung und Organisation geschieht, so weit wie möglich, ruhig. Die Mitbewohner werden bei der nächsten Mahlzeit über das Versterben des Bewohners informiert.

Es wird der Abschluss der Pflegedokumentation vorgenommen und die Wertgegenstände des Bewohners im Zimmer mittels eines Protokolls sichergestellt. Die Übergabe der Wertsachen an die Angehörigen durch die Heimleitung wird evtl. anschließend geklärt. Wir sorgen dafür,dass der Verstorbene würdevoll die Einrichtung verlässt.

 

 

Die Mitarbeiter – Begleiter im Sterbeprozess

 

Das Leben und Sterben von Bewohnern, die sehr lange und intensiv gepflegt und begleitet wurden, stellt für unsere Mitarbeiter, je nach persönlicher Erfahrung, eine Krisensituation dar. Dieses Erleben von Tod und Sterben hat für jeden Mitarbeiter Einfluss auf die nachfolgenden Tätigkeiten. Dem Mitarbeiter wird kurzfristig die Gelegenheit gegeben sich zurück zu ziehen. Es findet für jeden Mitarbeiter eine hausinterne Fortbildung zum Sterbekonzept und zu Gesprächen in der Trauerphase statt. Wir möchten mit den weiteren geplanten Fortbildungen erreichen, dass sich die Mitarbeiter persönlich mit Krankheit, Sterben und Tod auseinandersetzen und mit dem Thema Schmerz, Leid, Vergebung und Hoffnung beschäftigen.

 

 

Die Aufgaben der Heimleitung/ PDL

 

Die Aufgaben der Heimleitung / PDL liegen im Bereich der Umsetzung des Konzepts, der Sterbekultur in der Einrichtung Promenade. Die Heimleitung/ PDL schaffen die Möglichkeit zu Fort und Weiterbildungen zu diesem Thema. Betreuer oder Angehörige sowie Pflegekassen, Apotheke, Fußpflege, Frisör, Physiotherapie werden individuell informiert.

 

                                      

Ärzte im Prozess der Sterbebegleitung

 

Unser Ziel ist es, dass alle Ärzte die Wünsche der Bewohner in der Sterbephase respektieren.

Des Weiteren wollen wir darauf hinarbeiten, dass für jeden Bewohner ausreichende Schmerzlinderung durchgeführt wird. Eine Krankenhauseinweisung soll nur bei akuten Notsituationen veranlasst werden.

 

Angehörigen Hilfen geben

 

Der Verlust eines nahestehenden Menschen löst viele verschiedene oft einander widersprechende und sehr starke Gefühle aus. Häufig werden Angehörige von einem zum anderen hin und her geworfen. Die Gefühle sind so vielfältig, wie wir Menschen sein können. Die plötzlich eintretende Position des Angehörigen kann Ruhelosigkeit, Hilflosigkeit, Leere, Angst, Schuld. Schock, Dankbarkeit, Wut, Freude, Verzweiflung, Einsamkeit und viele andere Gefühle entstehen lassen. Bei Bedarf steht innen auch ein Ruheraum ( Sondernutzungsraum) zur Verfügung. Wir wollen für die Trauernden Ansprechpartner sein und sie respektieren, da jeder seine eigene Art hat seine Trauer auszuleben. Wir sorgen dafür, dass die Angehörigen ungestört von ihrem Angehörigen Abschied nehmen können. Angehörige werden mit ihrer Vielzahl von möglichen Fragen ernst genommen und es wird durch ruhiges und klares Reden und Handeln Sicherheit vermittelt. Sie werden ermutigt, dass auch Kinder und Enkelkinder sich vom Verstorbenen verabschieden.

 

 Ausarbeitung von N.Thiel 

Alten- Pflegeheim  Promenade

Stand 1/2012

Evaluiert : 9/14 - 1/15  3/18

 

 

 

 

 

 

 Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, das etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.

( Vaclav Havel )

 

                           

                                Die Sterbephasen

 

Informationen und Hinweise für Helferinnen und Helfer

© 2006, Christoph Student1

Zu den entscheidenden Meilensteinen auf dem Weg zu einem menschlicheren Umgang mit sterbenden und trauernden Menschen gehört die Publikation des Buches

„On Death and Dying“ im Jahr 1969, das unter dem Titel „Interviews mit Sterbenden“

1971 auch erstmals in Deutschland erschien. Seine Autorin war die in den USA lebende Schweizer Psychiaterin und Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross

(08.07.1926 – 24.08.2004).

Diese Veröffentlichung war einerseits deshalb so bedeutsam, weil sie einer breiten Öffentlichkeit auf eine fast provozierende Weise zeigte, dass man mit sterbenden

Menschen sprechen kann, sie wahrnehmen kann und muss und dass Sterben eine wichtige Lebensphase ist. Das Buch war ein Tabubruch – und hat damit entscheidend dazu beigetragen, das Tabu-Thema Tod in die Öffentlichkeit zu bringen. Andererseits machte Elisabeth Kübler-Ross mit diesem Buch auf Gesetzmäßigkeiten aufmerksam, die in dieser Weise vor ihr noch nicht beschrieben worden waren und den Helfenden ein wenig Sicherheit im Umgang mit den ängstigenden, oftmals unverständlichen Verhaltensweisen von sterbenskranken Menschen gaben. Damit bekamen insbesondere Pflegende aber auch Ärzte und andere helfende Berufe den Mut, auf sterbenskranke Menschen zuzugehen, sie damit aus ihrer Isolation zu befreien. Wer das bahnbrechende Buch von Elisabeth Kübler-Ross heute ließt, stellt vielleicht überrascht fest, dass sich darin noch immer Wichtiges entdecken lässt. Andererseits ist manches von den damaligen Gedanken heute für uns – zum Glück – ganz selbstverständlich geworden. Tatsächlich sind die „Sterbephasen“ gar nicht ein so „exotisches“ Phänomene, die nur Sterbende betreffen. Die von Kübler-Ross erstmals beschriebenen Phasen können wir an uns und anderen auch im Alltag – wenngleich in abgeschwächter Form – immer wieder beobachten: Schon bei jedem relativ banalen Verlust wie dem Verlust des Geldbeutels oder der Hausschlüssel erleben wir in geraffter Form die „Sterbephasen“. Aber auch bei den großen Verlusten in unserem Leben, z. B. dem Verlust von nahestehenden Menschen durch Tod oder Trennung, dem Verlust der Arbeitsstelle u. Ä. erleben wird sie als „Trauerphasen“. Und so wird es Sie nicht wundern, wenn dieses Phasenmodell immer wieder (oftmals unausgesprochen) aufgegriffen wurde, um die Trauer zu beschreiben. Die Kenntnis der Trauerphasen kann uns also dabei unterstützen, uns selbst und andere ganz allgemein in Lebenskrisen besser zu verstehen (Kübler-Ross u. Kessler 2006).

 

 

 

 

 

Kübler-Ross beschreibt fünf Phasen der seelischen Entwicklung schwerkranker Menschen:

Die erste Phase: Nichtwahrhabenwollen

Die zweite Phase: Zorn

Die dritte Phase: Verhandeln

Die vierte Phase: Depression

Die fünfte Phase: Zustimmung

 

 

Allerdings darf dies nicht so verstanden werden, als durchliefen schwer kranke Menschen diese Phasen „einfach“ nacheinander vom Nichtwahrhabenwollen aus bis sie schließlich zur Zustimmung kommen. Kübler-Ross hat schon immer nachdrücklich darauf hingewiesen, dass hier zwar ein möglicher Weg aufgezeichnet ist, der aber viele Abweichungen kennt (Kübler-Ross 1971, Seite 120): Länge und Dauer der Phasen variieren von Mensch zu Mensch – vor allem aber auch die Reihenfolge, in der sie durchlaufen werden. Ist ein Mensch z. B. bei der „Zustimmung“ angekommen, kann wenig später wieder tiefe Depression, Verhandeln, Zorn oder Nichtwahrhabenwollen einsetzen. Manchmal bestehen verschiedene Phasen sogar gleichzeitig nebeneinander.

Im Folgenden sollen nun die fünf Phasen skizziert werden:

                          

Die erste Phase: Nichtwahrhabenwollen

 

Wenn wir Menschen eine schreckliche Nachricht bekommen, sind wir zunächst einmal „schockiert“: Wir stellen uns sozusagen tot. „Das kann doch nicht sein.“ „Doch nicht bei mir.“ Wir wehren uns gegen das Furchtbare und wollen es nicht wahr haben. Der kranke Mensch, der die Diagnose Krebs bekommt, hält das vielleicht für

einen Irrtum. „Ich fühle mich doch völlig gesund. Die haben sich bestimmt geirrt.“ Er sucht dann vielleicht den Rat anderer Ärzte in der Hoffnung, ja fast inneren Gewissheit, dass das ja gar nicht sein kann. „Ich merke doch gar nichts.“ – Manche frisch Erkrankte leben ihr Leben einfach so weiter, als sei gar nichts geschehen. Sie signalisieren mit jeder Faser ihres Seins: „Die Sache betrifft mich nicht.“ Dieser Schutz, den unsere Seele hier für uns bereit hält, ist hilfreich, um uns vor emotionaler Überlastung zu schützen. Verdrängung kann ein erster hilfreicher Schritt

sein, um schließlich – nach oftmals langem, langem Ringen – das „Undenkbare“ denkbar zu machen. Diese Phase kann immer wieder auftreten – insbesondere dann, wenn neue erschreckende Nachrichten über das Fortschreiten der Krankheit oder über einen Rückfall den kranken Menschen treffen.

Für uns Helferinnen und Helfer ist es an dieser Stelle entscheidend, dieses Nichtwahrhabenwollen zuzulassen, es als „normal“ zu akzeptieren. Manchmal möchten wie die Kranken in dieser Phase am liebsten schütteln, wachrütteln: Sieh doch, wie es um dich wirklich steht. „Vertu’ keine Zeit mit unnötigen weiteren Untersuchungen.“ „Fang endlich mit der Behandlung an“ möchten wir dem betroffenen Menschen vielleicht zurufen. Aber das ist unsere Sicht. Sie mag für uns richtig sein. Aber das zählt jetzt nicht. Anderes ist gefragt: Dabei zu bleiben, dir Kranken nicht alleine zu lassen und (aktiv) zuzuhören. – Es gibt nur ganz wenige Kranke, die bis zu ihrem Lebensende in dieser Phase verharren.

 

 

 

Die zweite Phase: Zorn

 

Diese Phase ist vielleicht für uns Helfende die unangenehmste aller fünf Phasen. Der kranke Mensch ist in dieser Zeit schlicht unerträglich – für uns! Er selbst kann sich vielleicht ganz wohl dabei fühlen: Er „lässt Dampf ab“, schreit seine Wut und Verzweiflung laut hinaus, hat endlich ein Ventil gefunden, um sich zu entlasten. Das kann gut tun. „Warum gerade ich?“ heißt die Frage, die hier häufig gestellt wird oder „Warum ist Gott so ungerecht? Hat er mir nicht schon ein Leben lang mehr als anderen aufgebürdet?“. Solange wir den Zusammenhang zwischen der Krankheit und der wütenden Reaktion erkennen können, lässt sich das alles vielleicht ganz gut aushalten. Schwieriger wird es, wenn der kranke Mensch einfach nur „nörgelig“ ist, wir es ihr oder ihm in keiner Weise recht machen können, wenn uns die Kranken durch ständiges Klingeln auf Trab halten, wenn viele unterschwellige kleine Nadelstiche uns zur Weißglut bringen. – Wie alle großen Gefühle so wirkt auch diese Phase, gerade wenn sie eher unterschwellig gelebt wird, auf uns Helfende ansteckend. Vielleicht kennen Sie das:

Sie betreten morgens gut gelaunt ein Krankenzimmer und irgendwie ist es, als zöge da eine dunkle Wolke auf. Die gute Laune verfliegt, Sie fühlen sich unwohl, genervt, verärgert – noch ehe der kranke Mensch selbst sich äußert. „Wenn ich dieses Gesicht sehe, ist es schon aus mit meiner guten Laune!“

Für uns Helfende ist es in solchen Situationen besonders wichtig, uns selbst zu schützen. Nicht, indem wir uns vom kranken Menschen abwenden, sondern indem wir gut lernen, zwischen unseren Gefühlen und denen anderer zu unterscheiden. Das

sollten wir allerdings nicht erst üben, wenn wir Menschen in der Krise begegnen, sondern als ständige Aufgabe in unserem Alltag wahrnehmen. Wenn wir mit der aktuellen Krise eines kranken Menschen angemessen umgehen wollen, hilft uns eher die Außenkontrolle durch Kolleginnen und Kollegen, helfen uns Teambesprechungen und Supervision. Entscheidend ist, dass wir uns vom kranken Menschen in dieser Situation nicht abschütteln lassen. Ihm nahe zu bleiben und sich dennoch emotional

so weit abzugrenzen, dass wir sie oder ihn ertragen können. – Und natürlich ist es wichtig, die berechtigten Klagen                 (z. B. über Schmerzen und andere Beschwerden)

ernst zu nehmen.

                        

Die dritte Phase: Verhandeln            

 

Kübler-Ross beschreibt, dass diese Phase meist nur recht flüchtig sei. Als Helfende haben wir jetzt den Eindruck, der kranke Mensch habe sich ein gutes Stück weit mit seinem Schicksal abgefunden. Sie oder er wirkt vielleicht sogar ruhiger, entspannter, wieder aktiver und umgänglicher. „Ich weiß, dass ich Sterben muss – aber ich würde doch so gerne noch die Taufe meines Enkelkindes erleben.“ Der kranke Mensch verhandelt „mit Gott und der Welt“. Vielleicht formuliert er innerlich oder auch laut: Wenn ich nur noch die Hochzeit meines Sohnes erleben darf…“ und verspricht Gott dann vielleicht ein gutes Werk oder den behandelnden Ärzten, dass er sich auch einer belastenden Chemotherapie noch unterziehen will „…wenn ich es nur noch bis dahin schaffe.“ Ist das Ziel dann erreicht, tauchen unweigerlich noch weitere attraktive Ziele und Wegmarken auf, die der kranke Mensch erreichen möchte.

Und natürlich ist ein sterbenskranker Mensch auch nicht besser als wir andern auch: Das gegebene Gelübde ist womöglich rasch wieder vergessen. Als Helfende sollten wir uns vor Bewertungen hüten. Hilfreich ist es dabei, uns selbst an der eigenen Nase zu packen und an eigene vergleichbare Gelübde und Versprechen zu erinnern. Hier gibt es nichts, was wir bei den Kranken zu korrigieren oder zu bewerten hätten. Wir können und sollen ruhig ein Stück weit mitgehen. Die Hoffnung zulassen – allerdings ohne Hoffnungen, die wir für unrealistisch halten, zu schüren. Aber unsere Meinung ist in dieser Phase sowieso nicht sehr gefragt.

                              

Die vierte Phase: Depression

 

Auch die Depression gehört zu den großen und außerordentlich ansteckenden Gefühlen, mit denen wir Helfenden achtsam umgehen müssen. Der kranke Mensch wirkt in dieser Zeit traurig, klagsam, deprimiert. Vielleicht zieht sie oder er sich auch zurück, hat Angst, wirkt starr oder weint viel. Vielleicht ist es diese Phase, die uns als Außenstehenden am „angemessensten“, „verständlichsten“ vorkommt, angesichts schwerer Krankheit oder bevorstehendem Tod. Aber es genügt ja nicht, uns selbst zu verstehen. Wir müssen vor allem den behutsam-erkundenden Weg zum Anderen suchen, wenn wir hier förderlich sein wollen. Kübler-Ross unterscheidet zwei Aspekte, sozusagen zwei Blickwinkel dieser Phase der Depression:

a) Zunächst ist da die Depression als Reaktion auf die wahrgenommenen Verluste: Der Verlust körperlicher Integrität, der Verlust an persönlichen wie beruflichen Chancen, der durch die Krankheit hingenommen werden muss – aber auch der Verlust an nicht Nachholbarem, das „Versagen“ in gesunden Tagen. Wie oft verschieben wir Dinge auf später: Reisen in der Rente, mehr mit den Kindern leben, wenn endlich mal weniger zu tun ist…

Kranke Menschen haben in dieser Zeit oft ein großes Mitteilungsbedürfnis. Sie möchten ihre Trauer ausdrücken, sie möchten, dass wir ihre Klagen hören. Es tut ihnen gut, wenn wir ihnen intensiv zuhören (s. S. [aktives Zuhören]) – das also, was wir bei Trauernden ganz allgemein praktizieren sollten (s. S. [Trauer]). Wenn der kranke Mensch einen Teil seiner Last formuliert hat, ist er vielleicht diesen Teil der Last losgeworden, ist erleichtert. Wenn wir dagegen versuchen, zu „trösten“, stopfen wir ihm sozusagen den Mund. – Manche, gerade jüngere Schwerkranke schließlich profitieren jetzt auch davon, wenn die Pflegenden sie bei der wichtigen Frage unterstützen, wie das Leben ihrer Familie ohne sie weitergehen kann. b) Es gibt aber noch eine andere Wurzel der Depression: Die vorbereitende Depression, wie Kübler-Ross sie nennt. Dabei geht es um die noch drohenden Verluste – letztlich also um den Verlust der irdischen Existenz. Es ist eine ruhigere Form des Trauerns. Oft ist der kranke Mensch jetzt stärker in sich

gekehrt, weniger mitteilsam. Diese Phase stellt ganz andere Ansprüche an die Helfenden: Noch stärker ist das ruhige Dasein jetzt gefordert, das gemeinsame Aushalten der Tränen und das geduldige Hinhören auf das, was jetzt gut tut. Kübler-Ross beschreibt die Konflikte, die in dieser Zeit zwischen kranken Menschen und ihren Angehörigen und Ärzten aufbrechen können: Der kranke Mensch möchte jetzt vielleicht nicht mehr um sein Leben kämpfen, obgleich die Angehörigen und die Ärzten noch Möglichkeiten sehen. Helfende können hier dazu beitragen, dass gerade der Familie bewusst wird, dass jetzt andere Fragen im Vordergrund stehen und kranke Menschen diese Phase des depressiven Rückzugs brauchen, um sich auf die nächsten emotionalen Schritte vorbereiten zu können.

                                  

Die fünfte Phase: Zustimmung

 

Viele, aber keineswegs alle todkranken Menschen erreichen diese Phase irgendwann. Es ist auch nicht unsere Aufgabe als Helfende, hier etwas von ihnen zu verlangen. – Wenn der kranke Mensch diese Phase erreicht hat, beginnt die „letzte Ruhe vor der langen Reise“. Der Kampf ist vorbei. Der kranke Mensch hat zugestimmt, dass das Leben nun zu Ende geht. Ein fast „gefühlloser“, ruhiger Zustand ist erreicht. Das Verlangen, noch Besucher zu sehen, ist oftmals erloschen. Der Blick ist innerlich schon in andere Richtungen gewandt. Der kranke Mensch ist kaum noch gesprächsbereit. Als Helfende sind wir nur noch als stille Teilnehmer gefordert, die ohne Angst wahrnehmen können, dass jetzt Schweigen die sinnvollste Art der Kommunikation ist. Die Angehörigen sind es, die jetzt in ganz besonderer Weise unsere Aufmerksamkeit benötigen: Als Helfende können wir ihnen behutsam dabei helfen, zu verstehen, dass dieser Rückzug des kranken Menschen nicht bedeutet, dass sie abgelehnt oder zurückgewiesen werden, sondern sie oder er jetzt einfach ganz bei sich ist und sich wünscht, gehen zu dürfen. Es kommt jetzt nicht darauf an, dass die Angehörigen den sterbenden Menschen „loslassen“ ihn „gehen lassen“. Das ist meistens zu viel verlangt und stellt eine unnötige Überforderung dar. Aber vielleicht gelingt es den Angehörigen – wenn auch unter Schmerzen – so etwas wie eine Erlaubnis zu erteilen, dass sterbenskranke Mensch jetzt gehen darf.

                                                    

Hoffnung

 

In allen Phasen ist fast immer – manchmal trotz allem – auch Hoffnung präsent. „Wider alle Vernunft“ hofft der kranke Menschen vielleicht noch auf Heilung, auf ein Wunder. Das ist für uns Helfende, die wir es doch besser zu wissen meinen, manchmal schwer auszuhalten. Es geht an dieser Stelle auch nicht darum, den kranken Menschen in seiner Hoffnung zu bestärken, sondern schlicht darum, seine Hoffnung zuzulassen, sie stehen zu lassen. Oft ist diese Hoffnung aber auch nur auf die Erleichterung von Beschwerden gerichtet – oder schließlich die Hoffnung auf das, was nach dem Tod kommt. – In jedem Fall ist Hoffnung nie ganz eindeutig und diese Mehrdeutigkeit sollten wir Helfenden auszuhalten lernen. Das ist es, was den kranken

Menschen nützt. Bisweilen sind wir auch als Vermittler gefragt. Dann nämlich, wenn die Hoffnungen der Angehörigen in ganz andere Richtungen gehen, als die der Sterbenden: Vielleicht ist der sterbende Mensch schon zum Gehen bereit, während die Angehörigen sich noch an eine Hoffnung auf ein Wunder klammern. Vermitteln heißt hier nicht, ein Schiedsrichteramt einzunehmen, sondern beiden Seiten durch unser aufmerksames Zuhören (und nicht mehr!) dabei behilflich zu sein, die jeweils andere Seite ein klein wenig besser zu verstehen. Bisweilen können beide Seiten dann einen Wandel der Hoffnung zulassen: Von der Hoffnung darauf, dass etwas doch noch gut ausgeht, hin zur (spirituellen) Hoffnung, dass etwas Sinn macht.

 

 

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